Logbucheintragungen der Crew

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28.06.2004

Juten Tach auch, binna Meia,

November 2002 lag ich im Krankenhaus herum und bin tot geschrieben worden, lebe aber immer noch. Um mich vor dem Kühlfach zu bewahren, griff ich als Lebenszeichen auf die Geste des Stinkefingers zurück, ein Leben voller Punkrock hinterlässt so seine Spuren. Jetzt kann ich nichts mehr hören (also nix mehr mit Mucke) und nicht mehr gehen (auch keine Kneipe mehr) und heiz mit ´nem Rollator durch die Gegend, aber lästern geht noch. Das macht mir Spaß. Junge, Junge, was ich für einen Bullshit die letzten anderthalb Jahre erlebt habe... Da kann man eigentlich nur mit den Ohren wackeln. Aber beginnen möchte ich mit was völlig anderem: dem Fußball, speziell dem Auftreten der deutschen Mannschaft in Portugal. Die sogenannte Vorstellung des Teams war mehr als lächerlich. Seit Ende der Siebziger verfolge ich bewusst Fußball, ich kann mich sogar verschwommen noch an die WM '74 erinnern, habe aber noch nie so beschissenen Fußball eines Nationalteams gesehen. Einfache Länderspiele schaue ich schon gar nicht mehr, nehme diese so ernst wie die meisten Spieler, betrachte es als lästig und sehe meine erste Hauptaufgabe darin, mich vor dieser Pflicht zu drücken. Selbst der Nimbus als Turniermannschaft ist aufgebraucht, sogar wenn es wirklich um etwas geht, siegt die Arbeitsunlust. Da helfen auch kein Weltklasse-Torwart noch ein Ballack in Spitzenform, denn diese können kein Spiel allein gewinnen. Auch einige gute Verteidiger, deren Regelauslegung manchmal an andere Sportarten wie Eishockey erinnert, und deren Technik sich an Sackhüpfen orientiert, sind da wenig von Nutzen, wenn im Mittelfeld hauptsächlich Flaute herrscht und gegen die Stürmer Rollator-Fahrer wie Sprinter wirken. Wenn der Ball in die Nähe einer Schwarzhose kam, sah ich diesen schon als verloren an, hoffte darauf dass der Hosenträger der Schiedsrichter sei und dieser genug Ballfertigkeit sein eigen nannte und einseitig genug war, um ein Tor für Deutschland zu schießen. Aber leider geschah dies nicht, mein Wunschdenken blieb Phantasterei, es kam wie es kommen musste: nach drei erbärmlichen Vorstellungen, eine schlimmer als die andere, fuhr die Nationalmannschaft wieder nach Hause. Die Spieler brauchen sich nicht mehr anstrengen, der Teamchef nahm wie erwartet seinen nicht vorhandenen Hut und verabschiedete sich, bestimmt nicht in ein Schicksal des Hungerns und Leidens, und ich spiele mit dem Gedanken, in Zukunft die Partien der alten Herren des SSV Kaldauen zu verfolgen. Diese spielen zwar in der dritten Kreisklasse, der untersten Liga, zeigen aber wenigstens noch Einsatz.

the Meia

 

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